Sauna-Boot in Berlin

Sauna-Boot in Berlin


Lohnt sich die Fahrt auf einem Sauna-Boot in Berlin?

Saunieren kann man mittlerweile auf sehr verschiedene Weise: in einer finnischen oder Bio-Sauna etwa. Fast allen gemein: Sie sind fest installiert an einem Ort. TRAVELBOOK-Redakteurin Larissa Königs hat in Berlin etwas Besonderes ausprobiert und ein Saunafloß gemietet. Hier verrät sie, ob es sich gelohnt hat.

Den Fahrtwind in den Haaren schippern wir die Havel hinunter. Oder hinauf, wir wissen es selbst nicht genau. Am Steuer sitze ich, die noch nie ein Boot gefahren hat. „Hier, Stopp“, schreit meine Freundin Melissa. Sie hat eine kleine Einmündung entdeckt, in der wir hoffentlich in Ufernähe ankern können – um endlich zu saunieren. Denn wir sind heute nicht auf einem normalen Boot, sondern auf einer „schwimmenden Sauna“. Aber von vorne.

Mehr als 200 Euro für drei Stunden Sauna

Seit einigen Monaten gibt es in Berlin das „Saunafloß“, das nahe des Restaurant-Boots „Alte Liebe“ in Berlin ankert. Für 210 Euro kann man die schwimmende Sauna für drei Stunden mieten, ganzjährig, solange die Havel nicht zugefroren ist. Jede weitere Stunde kostet 70 Euro extra. Was uns besonders reizt: dass jeder das mit einem Honda-Motor ausgestattete Floß fahren kann, auch ohne Bootsführerschein. Alleine mitten in der Natur, auf dem Wasser, mit der Sauna: Ich verspreche mir absolute Entspannung. Doch der Tag startet stattdessen mit Stress. Der Grund: eine Mail, in der wir plötzlich eine Kaution von 200 Euro hinterlegen sollen, die vorher nie abgesprochen war.
Vor Ort löst sich das Problem zum Glück schnell. Dieter, der uns über den Anlegesteig bis zum Sauna-Boot führt, nimmt statt Bargeld meinen Personalausweis als Pfand. Auf unsere Ankündigung, trotz der frischen 3 Grad Außentemperatur nach der Sauna ins Wasser zu springen, lacht er nur, und gibt uns dann den Tipp, daran zu denken, vorher die Leiter herunterzulassen. Danach erklärt er uns, wie das Boot gesteuert wird, wie und wo man Gas gibt – und dann geht es auch schon los.

Achtung, man ist nicht allein auf dem Wasser …

Einen Bootsführerschein besitzt keiner von uns. Den braucht man aber auch nicht, denn schließlich fährt das Boot nur maximal 20 Kilometer pro Stunde, und das Handling ist einfach. Schwieriger wird es bei den Rechtsfragen, zum Beispiel: Wer muss wann ausweichen? Wie nahe dürfen wir beim Ankern an das Ufer, ohne dass wir in Gefahr laufen, die dort lebenden Wildtiere zu belästigen? Und wie nahe müssen wir an das Ufer, damit wir nicht die anderen Schiffe stören? Letztendlich entscheiden wir uns für circa 15 Meter. Die etwas breitere Einmündung der Havel mit Sicht auf die Berliner Pfaueninsel, die wir nach einer halben Stunde Fahrt erreichen, scheint der perfekte Platz zu sein.
Drinnen ist es mittlerweile ordentlich warm. Also wird der Motor ausgeschaltet und dann heißt es: Aufguss-Zeit. Das sanfte Schaukeln des Boots und der Ausblick wirken sich tatsächlich noch positiv auf die Entspannung aus. Doch dann geschieht, was geschehen muss: Wir sind nicht mehr ungestört. Ein Segelboot umkreist unsere Sauna. Klar, wir sind nicht die einzigen, die auf der Havel fahren. Zwei Männer an Bord winken uns sichtlich amüsiert durch das große Fenster der Sauna zu – und wir sind in dem Moment sehr dankbar, dass wir in unsere Sauna-Handtücher gehüllt sind.
Trotz der unwillkommenen Begegnung beschließen wir nach einer knappen Stunde, uns nun im Wasser abzukühlen. Eine Entscheidung, die wir noch bereuen werden. „Eins, zwei, drei“, zählen wir und springen dann gemeinsam in die Havel – und klettern unter lautem Fluchen nur wenige Sekunden später wieder auf das Boot. Denn das Wasser ist unfassbar kalt, nur circa 4 Grad. Um es mit Leonardo DiCaprio in Titanic zu sagen: „Es fühlt sich an, wie tausend Nadelstiche.“ Doch danach ist es umso kuscheliger an Bord. Langsam schippern wir zurück zu der Anlegestelle und genießen dabei den Fahrtwind im Gesicht und die Natur um uns herum.

Fazit: Nichts für jeden Tag

Das Saunafloß ist eine schöner Erfahrung, die jedoch mit 210 Euro nicht gerade günstig ist – selbst wenn man es sich theoretisch mit bis zu sieben Personen teilen kann. Zudem ist es an Bord zwar gemütlich, aber nicht besonders komfortabel, es fehlen zum Beispiel ein Bad oder kostenlose Getränke. Als besonderes Erlebnis, zum Beispiel als Geburtstagsgeschenk, ist es dennoch eine Option.

 

Text aus TRAVELBOOK